Appenzeller BergHedepfl

Projektbeschreibung

 

Idee

Die Idee, im Appenzellerland BergHedepfl anzubauen, ist innerhalb der Interessengemeinschaft Ackerbau Appenzellerland (IG Ackerbau) entstanden. Die IG ist ein Zusammenschluss verschiedener Landwirte, die den Ackerbau im Appenzellerland fördern und weiterentwickeln möchten.
Zu den wichtigsten Produkten der IG gehören Dinkel, Emmer, Bergroggen und Weizen. Diese werden von der Bäckerei Böhli in Appenzell weiterverarbeitet und vermarktet. Ein weiterer Abnehmer ist die Brauerei Locher, für die Braugetreide angebaut wird. Daneben sind auch Kulturen wie Raps, Kürbis, Leinen, Mais und Kunstwiese Bestandteil der Fruchtfolgen.
Der Klimawandel bringt Veränderungen für den Anbau von Kulturen mit sich. Dadurch werden zunehmend auch Gemüsekulturen möglich, die bisher im Appenzellerland kaum angebaut wurden. Der Anbau in höheren Lagen kann dabei sogar Vorteile bieten. So steht beispielsweise mehr Niederschlagswasser zur Verfügung und der Schädlingsdruck kann geringer sein, wenn bestimmte Kulturen in der Region bisher nur wenig verbreitet sind.
Diese Überlegungen führten zur Idee in den zwei Kantonen Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden Kartoffeln anzubauen. In diesem Frühling ist der Anbauversuch in die erste Testphase gestartet. Unter dem Namen «Appenzeller BergHedepfl» können die zwei Hauptsorten Agria und Erika im Spar Appenzell und direkt bei den vier Landwirten gekauft werden.

 

Konzept

Das Projekt wird von den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden im Rahmen eines NRP-Projekts (Neue Regionalpolitik) unterstützt. Neben den beteiligten Landwirten sind auch die Gastroverbände beider Kantone und der Tourismusverband in das Projekt eingebunden.
Das Ziel ist, die Kartoffeln möglichst regional zu produzieren und zu vermarkten. Die Kartoffeln sollen unter anderem in der lokalen Gastronomie eingesetzt werden. Dadurch entstehen Gerichte mit einem klaren Bezug zum Appenzellerland mit kurzen Wertschöpfungsketten.
Im ersten Anbaujahr haben je zwei Landwirte aus den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden für das Projekt «BergHedepfl» Kartoffeln angebaut. Insgesamt umfasst die Anbaufläche rund 30 Aren.

 

Sorten

Als Hauptsorten wurden Agria und Erika angebaut. Beide Sorten sind in der Gastronomie bekannt und vielseitig einsetzbar. Agria sind vom Kochtyp eher mehligkochend und Erika ist ein festkochende Kartoffelsorte. Diese zwei Sorten wurden auf 90 % der Fläche angebaut.
Unmittelbar neben diesen zwei Sorten wurde ein Sortenversuch angelegt. Dabei wurden verschiedene rote und blaue Sorten, krautfäuleresistente Sorten sowie Pro-Specie-Rara-Sorten getestet.
Der Sortenversuch wurde durch RhyTOP GmbH begleitet und fachlich bonitiert. Am 27. Oktober 2026 wurden die verschiedenen Sorten zudem von Gastronomen und Landwirten degustiert. Ziel ist es, Sorten zu finden die einerseits den Anforderungen und Wünschen der Gastronomie entsprechen und andererseits unter den Bedingungen und auf den Böden des Appenzellerlandes gut angebaut werden können.
Damit soll langfristig ein Sortenspiegel entstehen, der sowohl aus Sicht der Landwirtschaft als auch aus Sicht der Gastronomie überzeugt.

 

Düngung

Vor der Pflanzung wurden die Kartoffelflächen mit der nötigen Menge Hofdünger versorgt. Auf den Einsatz von Kunstdünger wurde bewusst verzichtet.

 

Pflanzenschutz

Da die «BergHedepfl» auf den einzelnen Betrieben nur auf kleinen Flächen angebaut wurden, konnten gewisse Arbeiten von Hand ausgeführt werden. So wurden beispielsweise Kartoffelkäfer von Hand von den Pflanzen abgesammelt.
Auch das Mähen des Kartoffelkrauts vor der Ernte erfolgte von Hand. Dadurch konnte im Projekt vollständig auf chemischen Pflanzenschutz verzichtet werden.
Besonderer Wert wurde zudem auf eine sorgfältige Bodenbearbeitung gelegt. Um die Knollen vor UV-Licht zu schützen, wurden sie in einem späteren Zeitpunkt angehäufelt. Es wurde ein nachhaltiger und standortgerechter Anbau somit erreicht.

 

Ertrag 2026

Die Erträge des Sortenversuchs variierten stark zwischen den Sorten. Die produktivsten Sorten ergaben sieben Mal mehr Ertrag als die leistungsschwächsten. Spezialsorten erzielen meist geringere Erträge, wodurch ein höherer Aufwand für den Anbau entsteht.

 

Wettereinflüsse 2026

Durch den heissen Sommer trat schweizweit kaum Kraut- und Knollenfäule auf. Deshalb konnte diese sonst häufige und sehr schädliche Krankheit nicht evaluiert werden. Aus diesen und anderen Gründen muss der Versuch mindestens noch zwei weitere Jahre wiederholt werden, um belastbare Resultate zu erlangen.

 

Lagerung

Ende September wurden die ersten Appenzeller BergHedepfl geerntet und anschliessend bei Egger Gemüse, Wertbühl eingelagert.
Dort stehen optimale Voraussetzungen für die Lagerung sowie für die weitere Aufbereitung zur Verfügung. Dazu gehört die Sortierung oder das Waschen der Kartoffeln.

 

Vertrieb

Gastronomiebetriebe können die Kartoffeln direkt in 15-kg-Kisten beziehen.
Auch Privatkunden können «BergHedepfl» kaufen. Angeboten werden Packungen zu 1 kg und 2,5 kg. Der Verkauf erfolgt unter anderem direkt ab Hof bei Landwirtschaftsbetrieben, Daniel Hersche, Daniel Dobler, Chrüterei in Stein und Sepp Dähler sowie über regionale Lebensmittelgeschäfte.

 

Regional und innovativ

Mit den «Appenzeller BergHedepfl» wird ein neues regionales Produkt geschaffen, das Landwirtschaft, Gastronomie und Konsumenten miteinander verbindet.
Gleichzeitig bietet das Projekt die Möglichkeit, Erfahrungen mit neuen Kulturen und Sorten zu sammeln und zu prüfen, welches Potenzial der Kartoffelanbau in höheren Lagen langfristig hat. Neue Wege zu eröffnen ist wichtig für die zukunftsorientierte Landwirtschaft.

 

Die «Appenzeller BergHedepfl» stehen für regionale Landwirtschaft, kurze Wege und Genuss aus dem Appenzellerland. Regional verwurzelt- vom Acker auf den Teller.

 

Kontakt für weitere Informationen

Sepp Dähler
Blindenau 199
9063 Stein

info@dont-want-spam.kabier.ch
079 744 64 28

Publikationsdatum