Die Appenzeller Kräuterfrau

Grossmutter und Urgrossmutter haben bei allerlei Beschwerden ohne weiteres zum richtigen Kraut gegriffen. In der heutigen Zeit geht dieses Wissen immer mehr verloren. Nicht bei Lydia Dörig: Sie weiss um die Kräfte der geheimnisvollen und kostbaren Kräuter, hilft Menschen und gibt ihren Erfahrungsschatz an die Gäste weiter.

 

«Angefangen hat alles mit einer Krankheit in der Familie», berichtet Lydia Dörig, «als wir mit der Schulmedizin an die Grenzen gekommen sind.» Aus der Not hat sich die gelernte Bürokauffrau nach und nach das Wissen der Naturheilkunde angeeignet. «Wir konnten bald erste Erfolge erzielen, sodass ich immer mehr und mehr erfahren wollte», erzählt die Fachfrau. Seit fünf Jahren führt sie nun in Appenzell ihre eigene Gesundheitspraxis. Nebst weitherum bekannten Therapiemethoden wie beispielsweise die Dunkelfeldmikroskopie bekommt man bei Lydia Dörig auch Appenzeller Spezialitäten. Dies sind Heilmittel, die nur im Appenzellerland registriert sind und nur hier in dieser Zusammensetzung erhältlich sind. Diese Spezialitäten sind aus den Zeiten als das Appenzellerland, vor allem Appenzell Ausserrhoden, noch als Hochburg der Naturheilkunde galt. Inzwischen hat sich dieser Markt über die Kantonsgrenzen geöffnet - die speziellen Rezepturen sind allerdings im Appenzellerland geblieben.

 

«Essen ist Lebensqualität»

Seit jeher pflegt Lydia Dörig einen eigenen Kräutergarten. Sie achtet sehr auf eine gesunde Ernährung, kocht täglich mit frischen Produkten und Kräutern. «Schon bald hat mein Garten mehr abgeworfen, als ich brauchen konnte», erzählt die Naturliebhaberin. «So habe ich zusammen mit dem Tourismus nach einem passenden Angebot gesucht.»

 

Daraus entstanden ist ein Gruppenprogramm, bei welchem zusammen mit Lydia Dörig ein eigenes Kräutersalz hergestellt wird. Jedes einzelne Kraut stellt sie den Teilnehmenden vor und erzählt über dessen Wirkung. «Jeder dosiert dann für sein Kräutersalz die einzelnen Kräuter nach dem eigenen Gusto und erhält so die ideale Mischung», erklärt die 50-jährige. Alle Kräuter stammen aus der Region. Salbei und Lavendel beispielsweise pflanzt sie selber an. Unterschiedliche Kräuter erntet sie aus der Wildsammlung: In Wald und Feld wächst gar Majoran oder Brennnesseln und Löwenzahn.  

 

Die Heilkraft der Natur

Die dreifache Mutter verbringt viel Zeit draussen in der Natur, wandert oder sammelt Kräuter. Wer Lydia Dörig antrifft, begegnet einer ruhigen, gar etwas scheuen Person. Sie beobachtet ihr Gegenüber stets aufmerksam. Und wenn man mit ihr ins Gespräch kommt, spürt man bald die vorhandene Kraft. Eine Kraft, die auch in den Kräutern liegt. So zum Beispiel die Brennnessel. Obwohl sie von manchen Menschen gemieden - gar bekämpft wird, ist die Brennnessel für Lydia Dörig eine von vielen Zauberpflanzen. Sie verrät: «Der Brennnessel wird eine blutreinigende Wirkung nachgesagt. Die Blüten und Blätter sammelt man am besten sobald die Tautropfen getrocknet sind - das gilt übrigens immer für das Sammeln von Kräutern.»