Der Kuh-Vermieter

Albert Breitenmoser ist mit seinen Kühen im Sommer auf der Alp Rathaus. Als die Milchpreise immer mehr sanken und für seinen Kleinbetrieb immer enger wurde, setzte er auf Innovation. Seit Sommer 2007 vermietet er seine Kühe, hauptsächlich an Leute aus der Stadt.

 

1970 wurde Albert Breitenmoser in Appenzell geboren. Er absolvierte eine Lehre zum Landwirt und vertiefte seine Kenntnisse an der Fachschule in Salez. Nach Abschluss der Ausbildung ging Albert Breitenmoser für ein Jahr ins Ausland. Dabei kehrte er immer wieder zurück nach Hause, um abwechselnd mit seinem jüngeren Bruder, gemeinsam mit dem Vater den Betrieb zu führen. Albert Breitenmoser ist verheiratet und hat zwei kleine Töchter.

Durch seinen Auslandaufenthalt in Kanada kam er auf die Idee Kühe zu vermieten. «Ein Farmer hat die Kühe an wohlhabende Kunden verkauft - wie Rennpferde. Aber sie waren weiterhin auf dem Hof», das hat Albert Breitenmoser fasziniert und inspiriert. 

Wollen Sie eine Kuh besitzen?

So preist Albert Breitenmoser seine 17 Kühe auf seiner Website an. Alle seine Kühe werden mit Namen, Foto und Charaktereigenschaften beschrieben. Zum Beispiel trifft man auf Mary «die Junge, Hübsche die im Trend liegt» oder auf Merla den «Wirbelwind». Die Tiere bleiben in der Obhut von Albert Breitenmoser. Der Mieter hat aber das Recht, seine Kuh jederzeit zu besuchen. Er darf Sie melken, «was für die meisten Besucher das Grösste ist», sagt der Kuh-Vermieter. Zusätzlich im Mietpreis inbegriffen ist ein Erinnerungsfoto der Kuh, eine Übernachtung in der Alphütte, eine Bootsfahrt auf dem Seealpsee, ein Laib Käse und persönliche Betreuung durch den Senn. «Mir ist es wichtig, dass die Leute hinter die Kulissen schauen können. Denn es ist mehr als nur eine Kuh auf der Weide, die zwei Mal am Tag gemolken wird». Viele der Kunden achten auf den Charakter des Tieres, sagt der Landwirt: «Am beliebtesten sind jene, die sich gern kraulen lassen». 

 

Eine herzliche Beziehung

Wenn Albert Breitenmoser von seinen Kühen berichtet, glänzen seine Augen. Vor allem wenn er von Selma, seiner Lieblingskuh spricht. «Ich habe grosse Angst vor dem Tag, an dem es heisst, es geht nicht mehr mit ihr», sagt Albert Breitenmoser. Daher hat er schon eine neue Geschäftsidee, die jedoch noch nicht verraten wird.

 
SAB-Preis 2008 / Innovationspreis

Albert Breitenmoser hat für sein Projekt kuehe-mieten.ch den Innovationspreis 2008 der Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) erhalten. Mit seiner Idee leiste der Landwirt «einen wesentlichen Beitrag an das bäuerliche Einkommen». Zudem ermögliche diese Initiative eine Austauschplattform, bei der sich die bäuerliche und die nichtbäuerliche Bevölkerung kennenlernen. Dies diene auch der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte.