Stosswallfahrt

Noch vor dem Morgengrauen weckt die grosse Glocke der Pfarrkirche St. Mauritius die Gläubigen. Das «Schreckläuten» am zweiten oder dritten Sonntag im Mai ist um halb fünf Uhr morgens fast im ganzen Kanton zu hören und erinnert an das Gelöbnis der Appenzeller: Nach der siegreichen Schlacht am Stoss im Juni 1405 gelobten sie, immer am Fest des hl. Bonifatius (14. Mai), noch vor der Heuet also, zum Schlachtfeld zu wallfahren um Dank zu sagen für die errungene Freiheit und um der Gefallenen zu gedenken. Die Stosswallfahrt gehört zu den ältesten und urtümlichsten Traditionen im Appenzellerland.

Ort

Appenzell

 

Zeit

14. Mai 2017, 6.00 Uhr

 
 

Um sechs Uhr setzt sich bei der Pfarrkirche St. Mauritius in Appenzell die Prozession zum neun Kilometer entfernten Stoss in Gang. Aus jedem Haus soll ein ehrbarer Mann daran teilnehmen, lautete einst das Versprechen. Für die Mitglieder der Standeskommission und des Kantonsgerichts sowie die Innerrhoder Bezirkshauptleute ist die Wallfahrt Pflicht. Voraus gehen Polizei und Fahnenträger; ihnen folgen Ministranten und die Geistlichkeit, danach die Regierungsmitglieder und zum Schluss Studenten und Bevölkerung, seit 1991 auch Frauen und Mädchen.

Auf halbem Weg, beim historischen Sammelplatz, verliest der Ratschreiber den Fahrtbrief. Darin wird das legendäre Schlachtgeschehen im Zuge der Appenzeller Befreiungskriege geschildert und die gefallenen Appenzeller werden aufgezählt – unter ihnen der Held Ueli Rotach. Für sie werden fünf Vaterunser gebetet.

 

Das Land Appenzell war, als es sich von fremden Vögten und vom Diktat des Abtes von St. Gallen befreite, noch ungeteilt. Die Landteilung in einen katholischen und einen reformierten Halbkanton erfolgte 1597, dank geschickter Vermittlung durch sechs andere Kantone, ohne Blutvergiessen.

Ein grosser Teil des Pilgerwegs führt heute über Ausserrhoder Boden. Auf Teilen der Wegstrecke – je nach Witterung entlang der Strasse oder über die Wiesen – beten 300 bis 500 Wallfahrende den Rosenkranz. Nach der Ankunft bei der Schlachtkapelle wird im Freien der feierliche Gottesdienst abgehalten, umrahmt von der Musikgesellschaft Harmonie Appenzell. Nach einer kurzen Rast fahren die Pilger mit Extrazügen wieder zurück nach Appenzell.